Geo Reisinger – Halbe Häuser – Ganze Paläste

Geo Reisinger ist ein Architekt, ein Architekturtheoretiker und ein Photograph. Ein Architekt, der eine Kamera zur Hand nimmt, macht das, was man von ihm erwarten kann: Er baut um, im Bild.
I Thought I Needed Everything
Architekturen und Landschaften sind seine bevorzugten Motive. Er ist ein Photograph des strukturierenden Blicks. Den Sucher seiner Kamera auf ornamentale Ordnungen gerichtet, versteht er es, diese in seinen Bildern zu komplexen Musterstrukturen auszuarbeiten. Sind die gesuchten Strukturen erst einmal aufgespürt, werden sie sorgfältig analysiert und auf ihre Bildtauglichkeit hin seziert. Wie man beim Filetieren eines Fisches vorzugehen hat, legt Reisinger die Spiegelachsentauglichkeit seiner Motive frei. Angelegt als Mittelachse des Bildes, manchmal auch als dessen Rand, verdoppelt sie Hälften, in die Ganzheit eigenwilliger Bilderzählungen.

A Wide Open Case

Als zentraler Fokus wird eine Position eröffnet, die bei Caspar David Friedrich der Rückenansichtigen Betrachterfigur vorbehalten war. Jener Figur, die als Handlungsanweisung dem Bildbetrachter als Identifikationsangebot, des als vorbildlich zu betrachtenden bildgerechten Handelns gelten sollte. Auch bei Reisinger sieht sich der Betrachter in Stellung gebracht und auch hier direkt in den Mittelpunkt des Geschehens. In diesem Fall ist der Bildmittelpunkt zugleich der Ausgangspunkt des Bildgeschehens. Hier teilt sich das Bild in gleich und gleich, es findet in sich selbst sein Gegenüber und doch entsteht etwas Neues, das weit über die Wiederholung des Halben hinausgeht. Neue Architekturen, Räume und Landschaften erwachsen diesem Prozess. Und so durchschaubar bleibt, worin der Kunstgriff besteht, das zu Sehende hat seine ganz eigene, völlig überzeugende Evidenz.

All We Feel Is Silence

Geo Reisinger zeigt eine Reihe von Bildern, die als Architektur- oder Landschaftsmotive eine solche axiale Spiegelung zum Ausgangspunkt des Bildgeschehens nehmen.Das Resultat ist verblüffend. Der kapitalistisch regulierte freie Wildwuchs urbaner Architektur in New York „vervollkommnet sich“ zu Palastarchitekturen, die stalinistische Machtrepräsentation in den Schatten zu stellen verstehen. Reisinger betitelt dieses Projekt spöttisch mit: „Give the people what they want.“ Hier wird das Photo zur Vervollkommnungsphantasie eines unterstellten kollektiven Wollens, das scheinbar perfekte Ordnungen entstehen lässt. In ihrer Wiederholung finden noch die einfachsten und belanglosesten architektonischen Entwürfe ihre Bestätigung in sich selbst und steigern sich in unerwartete ornamentale Erhabenheit. Und was auch immer zur Anschauung gebracht wurde, ob kolossale Architektur, oder monumentales Felsmassiv; es herrscht eine große Übersichtlichkeit. Das Bild, das ihn ins Zentrum gerückt hat, erscheint dem Betrachter als vollkommen beherrschbar.

Some Of The Limits Of Fieldwork

Im Projektraum zeigt Reisinger ein Panorama. Er stellt damit seinen eigenen, in sich geschlossenen Raum. Zu sehen sind Bilder von New York, einer Stadt, die in ihrer Ansichtigkeit und Darstellung traditionell für einen Ort der Vertikale gehalten wird. Kameras und Blicke richten sich hier zumeist erst einmal in die Höhe. Jeder, der die Stadt kennt, weiß jedoch, dass sich das Entscheidende in der Horizontalen abspielt, auf Straßenniveau in Blickhöhe, oder im Untergrund. Alles andere ist Ausblick.

Reisinger hält dagegen und senkt die Kamera. Mit dem geschulten Auge eines architekturkulturellen Feldforschers nimmt er die großartige ornamentale Zeichensprache der Asphaltgraphik ins Visier. Was er zeigt, ist Malerei, strenge Geometrie, die große, weithin übersehene Bilderzählung des öffentlichen Raumes. Es ist das Zeichensystem einer urbanen Ordnung, die Reisinger zu einer Komplexität zu fügen versteht, in der jene Notwendigkeit der Arabeske erkennbar wird, die Asphaltmarkierungen in eine lose Beziehung setzt zu den großen ornamentalen Bodenordnungen der Architekturgeschichte.

So bleibt festzustellen, dass nach Geo Reisingers photographischer Untersuchung zum Ornament der Straße, Niemand Fahrbahnmarkierungen je wieder nur achtlos mit Füssen treten sollte.


Rafael von Uslar

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Edition

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Stefan Wieland – FUSS IN ZEMENT. POESIE. PLUS EIN LIEBLINGSWORT.

Fuß im Zement. Poesie. Plus ein Lieblingswort.
Malerei und Lichtobjekte von Stefan Wieland

 

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Photo: Geo Reisinger

 

Stefan Wieland ist der erste Künstler, der in unserem neuen Projektraum im Pop UP – Laden MARTERIE präsentiert wird.

Seine Arbeiten spielen gekonnt mit den Wechselbeziehungen von Figuration und Farbe, so verschmelzen sie in seinen Lichtobjekten Farbe und Form zu einem poetischen Lichtbild, welches seine Geschichte mal ganz zart und manchmal auch sehr kraftvoll der Betrachterin oder dem Betrachter geradezu zuflüstert.


Nicht weniger dynamisch ist seine Malerei, in der sich Farbe und Form zwar miteinander vereinigen, die beiden Elemente aber dennoch ein ganz besonderes und poetisches Eigenleben in perfekter Harmonie und empfundener und fast greifbarer Haptik miteinander führen.

 

 

Stefan Wieland Edition:
Weichruhig Verrutschte Zeit, 2016

Keramik, glasiert

Auflage 40 + KE

40 Euro
2 Schnecken-Messerbänkchen in der Box, signiert, nummeriert, datiert.

 

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Ausstellung vom 12.11. – 17.12.2016
VERLÄNGERT bis 14.01.2017

Eröffnung 12.11.2016
von 19 – 22 Uhr

Marterie – Art & Materie
Art
In unserem Ausstellungs- und Projektraum zeigen wir zeitgenössische Kunst.
Ein Raum für nationale und internationale Positionen.

MARTERIE
Geleitsstrasse 5, 63065 Offenbach
Kontakt: marterie.art@gmail.com

MARTERIE

Öffnungszeiten:

Freitag 11 – 16 Uhr 

Samstag 11 – 16 Uhr

Und nach Vereinbarung via Mail an: marterie.art@gmail.com

 

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